Marie Henriette Magdalena Rinck aus Odenhausen (Lahn), schreibt 1914, bei Ausbruch des 1. Weltkrieges. Zum Trost meiner lieben Mutter! 1. Oh Mutter was kränkst Du dich so sehr ach, sieh’ doch die Zeitung sagt’s schon hier der Feind er ist zurückgeschlagen Die Mutter, Sie lässt sich nicht trösten Sie weiss, es kostet doch Blut. Wer weiss ob nicht mein Sohn, in Feindesland, im kühlen Grabe ruht? denn er musste hinaus zum Schutz für den Tron. 2. Die Zeitung schreibt gut, der Sturm gelungen und noch enger wird Ihr Herz umklumen, denn nach wenigen Tagen wird bekannt: Ihr lieber Sohn bedarf Verband. Verwundet ward er beim ersten Sturm, O, Mutter Dein Ahnen heisst nicht .... jetzt erst voll Schmerz und niedergedrückt, nach oben gerichtet den zweiten Blick. 3. Doch eines Tages der Bote in Eil vom Sohn einen Brief, im Lazarett ich verweil. Liebe Mutter erschrick nicht nur leicht verwundet bin ich ein Seufzer, Ihr Herz schon erleicht und denkt an den zweiten, der kämpft im Belgischen Reich, Sie dankt Ihrem Gott im Himmel, der den Sohn hat behütet im Sturmesgewimmel 4. am anderen Morgen der Bote schon wieder kehrt jetzt man etwas aus Belgien hört, auch er schreibt unverdrossen den Feind haben wir gehörig verdroschen aber heut erhielten wir die besten Grüsse aus Feindes Kanonen zu unseren Füssen und ohne je einen schaden, der Feind tut nur vorsichtig laden. 5. Zum Schluss mit dreifachem Hurra, als Kriegsmutiger steh’ ich da. Ich fürchte nichts als Gott in der welt was kann mir helfen das viele Geld. Meine Seele versichert schon ist, es starb auf Golgatha Jesus Christ, was für euch alle nichts neues wird sein geht hin in Euer Kämmerlein. 6. O selig zu preisen, wer dieses kann sagen denn Jesus ja spricht: Kommt her, die ihr seid beladen Er ist mein Führer hier im Feld, Er der Siegesfürst der Welt. Das weisst Du liebe Mutter, eh wir zogen hinaus hielten wir unsre Gebetsstunde als letztes zu Haus, dann kann ich mit Freuden hier nieder schreiben es kämpfen fehst treu im Glauben, wir beiden Karl & August Bis hier in weitgehend lateinischer Schönschrift, anschliessend in deutscher Schulschrift, das Heft ist an seinen Rändern stark beschädigt, dadurch ist einiges unleserlich geworden. Seite 1: Am II. August 1914 war Mobil. Am III. Mobilmachungstag den IIII. August unleserlich um 6 Uhr musste mein Bruder seine Elterliche Wohnung verlassen, um fürs Vaterland zu kämpfen Am IV. Mobilmachungstag den V. August abermals um 6 Uhr musste auch mein Bruder August Abschied von zu Hause nehmen, um ebenfalls für’s Vaterland zu kämpfen. Am 25. August Vormittag elf Uhr kam ein Telegramm, mich sofort nach Wetzlar in’s königl. Lazarett zu begeben, um ein Uhr musste ich schon weg fahren. (1. Abschnitt mit Bleistift) Am 26. August meinem Bruder sein 2. Kind geboren, am 27. August zog er aus ins Feld, wurde am 10. Sept. verwundet bei Leerraum am 13. Sept. wurde sein Kind getauft, am 16. Sept. ist er hier (Station Friedelhausen) als Verwundeter vorbei gefahren unleserlich ....lkmarsen b. Cassel, wo er bis zum 30. Sept. verblieb, unleserlich musste er in seine Garnisonstadt Giessen von wo er dann 2 Wochen Erholungsurlaub bekam. Nach seinem Urlaub unleserlich zu seiner Garnison zurück, wo er unleserlich Seite 2: dienstfähig erklärt wurde, wo er nun auf Abrufung des Transportes wartet. Mein Bruder August zog am 1. Sept. ins Feld nach Frankreich dann nach Belgien / Ostende / wo er jetzt schon über 2 Monate liegt. Bis jetzt hat ihn noch keine feindliche Kugel getroffen. Ich arbeitete vom 25. August 1914 bis zum 9. Februar 1915 ununterbrochen im Reserve Lazarett zu Wetzlar, ...... nunmehr auf gelöst ist. Am 9. Sept. wurde der Saal 175 belegt, dieser Transport bestand aus über 200 Verwundeten. Um 1 Uhr nachts wurde ich geweckt, gegen 2 Uhr kamen die ersten Verwundeten an, und dauerte bis 5 Uhr morgens. Der Saal wurde mit 45 Verwundeten belegt, (nachher) dann mir übergeben wurde. Ich hatte nun die ganze Verantwortung, musste für alles sorgen. 2 Gehilfinnen standen mir zur Seite. Nun kamen ja noch öfter nachts Transporte, wo man geweckt wurde, waren dann aber kleinere Transporte. Der Transport in der Christnacht wird mir nie vergessen. unleserlich waren zwischen 10 + 11 Uhr abends Verwundete angemeldet sie kamen jedoch erst um 2 Uhr. Es waren 90 von der Zahl Seite 3: aber alles nur schwer Verwundete. Bis 3 Uhr habe ich geholfen in die Betten bringen, dann fing man an das nötigste zu verbinden & haben verbunden bis am ersten Weihnachtstag bis ¼ vor elf Uhr & zwar ununterbrochen ohne etwas zu geniesen, dann hab ich eine Tasse Kaffee getrunken & nun ging es auf meiner Station weiter denn ich hatte meine Gehilfinnen zu Weihnachten beurlaubt & war ich deshalb alleine & hab ausgehalten bis abends 11 Uhr, dann war ich aber vollkommen abgespannt. |