Thomas Rink, Kantor und Organist

Kirchenmusik, Familien- und Ortsgeschichte

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Marie Rinck

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Marie Henriette Magdalena Rinck (X)



Carl Sturm schreibt aus Strassburg am 30.7.1911 an Marie Rinck
Liebe Marie!
Deinen Brief vom 20.1. aus Neuwied werden wir in nächster Zeit beantworten. Glaube nicht, dass ich Dich vergessen habe. Es liess sich nicht gut anders tun. Hoffend seid Ihr alle gesund, wir sind es Gott danke auch.
bestens grüsst C. Sturm


Das Grab vom Marie auf dem Odenhäusener Friedhof. Auf der Rückseite befand sich das Grab von Carl Rinck

Die Grabplatte 1987



Marie Henriette Magdalena Rinck aus Odenhausen (Lahn), schreibt 1914, bei Ausbruch des 1. Weltkrieges.

Zum Trost meiner lieben Mutter!

1. Oh Mutter was kränkst Du dich so sehr
ach, sieh’ doch die Zeitung sagt’s schon hier
der Feind er ist zurückgeschlagen
Die Mutter, Sie lässt sich nicht trösten
Sie weiss, es kostet doch Blut.
Wer weiss ob nicht mein Sohn,
in Feindesland, im kühlen Grabe ruht?
denn er musste hinaus zum Schutz für den Tron.

2. Die Zeitung schreibt gut, der Sturm gelungen
und noch enger wird Ihr Herz umklumen,
denn nach wenigen Tagen wird bekannt:
Ihr lieber Sohn bedarf Verband.
Verwundet ward er beim ersten Sturm,
O, Mutter Dein Ahnen heisst nicht ....
jetzt erst voll Schmerz und niedergedrückt,
nach oben gerichtet den zweiten Blick.

3. Doch eines Tages der Bote in Eil
vom Sohn einen Brief, im Lazarett ich verweil.
Liebe Mutter erschrick nicht
nur leicht verwundet bin ich
ein Seufzer, Ihr Herz schon erleicht
und denkt an den zweiten, der kämpft im Belgischen Reich,
Sie dankt Ihrem Gott im Himmel,
der den Sohn hat behütet im Sturmesgewimmel

4. am anderen Morgen der Bote schon wieder kehrt
jetzt man etwas aus Belgien hört,
auch er schreibt unverdrossen
den Feind haben wir gehörig verdroschen
aber heut erhielten wir die besten Grüsse
aus Feindes Kanonen zu unseren Füssen
und ohne je einen schaden,
der Feind tut nur vorsichtig laden.

5. Zum Schluss mit dreifachem Hurra,
als Kriegsmutiger steh’ ich da.
Ich fürchte nichts als Gott in der welt
was kann mir helfen das viele Geld.
Meine Seele versichert schon ist,
es starb auf Golgatha Jesus Christ,
was für euch alle nichts neues wird sein
geht hin in Euer Kämmerlein.

6. O selig zu preisen, wer dieses kann sagen
denn Jesus ja spricht: Kommt her, die ihr seid beladen
Er ist mein Führer hier im Feld,
Er der Siegesfürst der Welt.
Das weisst Du liebe Mutter, eh wir zogen hinaus
hielten wir unsre Gebetsstunde als letztes zu Haus,
dann kann ich mit Freuden hier nieder schreiben
es kämpfen fehst treu im Glauben, wir beiden
Karl & August

Bis hier in weitgehend lateinischer Schönschrift, anschliessend in deutscher Schulschrift, das Heft ist an seinen Rändern stark beschädigt, dadurch ist einiges unleserlich geworden.

Seite 1:
Am II. August 1914 war Mobil.
Am III. Mobilmachungstag den IIII. August unleserlich
um 6 Uhr musste mein Bruder seine Elterliche
Wohnung verlassen, um fürs Vaterland zu kämpfen
Am IV. Mobilmachungstag den V. August abermals
um 6 Uhr musste auch mein Bruder August Abschied
von zu Hause nehmen, um ebenfalls für’s
Vaterland zu kämpfen.
Am 25. August Vormittag elf Uhr kam ein
Telegramm, mich sofort nach Wetzlar in’s königl.
Lazarett zu begeben, um ein Uhr musste ich schon
weg fahren. (1. Abschnitt mit Bleistift)
Am 26. August meinem Bruder sein 2. Kind geboren, am
27. August zog er aus ins Feld, wurde am 10. Sept. verwundet
bei Leerraum am 13. Sept. wurde sein Kind getauft, am 16. Sept.
ist er hier (Station Friedelhausen) als Verwundeter vorbei gefahren unleserlich
....lkmarsen b. Cassel, wo er bis zum 30. Sept. verblieb, unleserlich
musste er in seine Garnisonstadt Giessen von wo er dann
2 Wochen Erholungsurlaub bekam. Nach seinem Urlaub
unleserlich zu seiner Garnison zurück, wo er unleserlich

Seite 2:
dienstfähig erklärt wurde, wo er nun auf Abrufung des
Transportes wartet.
Mein Bruder August zog am 1. Sept. ins Feld nach Frankreich
dann nach Belgien / Ostende / wo er jetzt schon über 2 Monate
liegt. Bis jetzt hat ihn noch keine feindliche Kugel getroffen.

Ich arbeitete vom 25. August 1914 bis zum 9. Februar 1915 ununterbrochen
im Reserve Lazarett zu Wetzlar, ...... nunmehr auf gelöst ist.
Am 9. Sept. wurde der Saal 175 belegt, dieser Transport bestand aus
über 200 Verwundeten. Um 1 Uhr nachts wurde ich geweckt, gegen
2 Uhr kamen die ersten Verwundeten an, und dauerte bis
5 Uhr morgens. Der Saal wurde mit 45 Verwundeten belegt,
(nachher) dann mir übergeben wurde. Ich hatte nun die ganze
Verantwortung, musste für alles sorgen. 2 Gehilfinnen standen
mir zur Seite.
Nun kamen ja noch öfter nachts Transporte, wo man geweckt
wurde, waren dann aber kleinere Transporte.
Der Transport in der Christnacht wird mir nie vergessen.
unleserlich waren zwischen 10 + 11 Uhr abends Verwundete angemeldet
sie kamen jedoch erst um 2 Uhr. Es waren 90 von der Zahl

Seite 3:
aber alles nur schwer Verwundete. Bis 3 Uhr habe ich geholfen
in die Betten bringen, dann fing man an das nötigste zu verbinden
& haben verbunden bis am ersten Weihnachtstag bis ¼ vor elf Uhr
& zwar ununterbrochen ohne etwas zu geniesen, dann hab ich eine
Tasse Kaffee getrunken & nun ging es auf meiner Station weiter
denn ich hatte meine Gehilfinnen zu Weihnachten beurlaubt & war
ich deshalb alleine & hab ausgehalten bis abends 11 Uhr, dann
war ich aber vollkommen abgespannt.
Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 30. Juli 2009 um 20:31 Uhr