Zur Biographie von Ernst Waldemar Rinck * 19.6.1903 +8.3.1939
Geboren und aufgewachsen in Odenhausen, heiratetet am 19.7.1934 in der Chrischonakapelle in Reinach / AG (Schweiz) Hanna Gysel.
Gem. Lebenslauf aus Chrischona Archiv:
1909 - 1917 einklassige Volksschule in Odenhausen, 1917 -1920 Mitarbeit zu Hause, 1920 - 1923 Lehre als Gärtner auf Schloss Friedelhausen (Graf v. Schwerin) Lehrabschluss April 1923. Anschliessend in Kassel-Kirchditmold (Wegen Inflation kehrt er nach Friedelhausen zurück)
11.11.1923 - 28.2.1924 Friedelhausen, 1.3.1924 Gartenbaubetrieb Rud. Weber in Giessen, 1919 Weihnachtsfeier in Belnhausen, 1920 Gründung einer Sonntagsschule in Odenhausen, 1921 Mitglied der Gemeinschaft Belnhausen, 31.8.1925 Abreise nach St. Chrischona.
Gemäss Absolventenbuch Chrischona: Studienbeginn in Basel 1.9.1925,* Abschluss 28.7.1929
zunächst im Dienst der Pilgermission St. Chrischona in Birkenfeld (Schwarzenbach), 1934/35 in Trier**, 1936 Neubrück/Nahe (?) bis Juli (?) 1937, Werkel bis Nov. 1937.
Die Zeugenprotokolle der Einvernahme durch Staatsanwalt Drach aus Trier erhellen etwas die Tätigkeit von Ernst Waldemar in den Jahren 1929-1934 in Schwarzenbach Kreis Birkenfelde (Pfalz)
Er leitete Jungscharen in Börfink und Buhlenberg, Bibelstunden für Erwachsene, hielt Predigt auch in Schwarzenbach, Sötern und Bosen und bezeichnet sich als Missionar. Für die Sakramente ist der Ortspfarrer zuständig, er besucht offensichtlich mit „seinen Leuten“ die regulären evangelischen Gottesdienste am Sonntag. Die Gründung eines Jungmännerbundes wird ca. 1936 verboten, die Jungschar geht in dieserZeit ein, die meisten gehen zur HJ und BDN und die Jungschar wird aufgelöst. Vor 1933 sollen aus ganz Börfink keine Jungs zur HJ gegangen sein, weil Rink das verboten hätte. Er wird mit folgendem Satz zitiert: "Du kannst nicht zweier Herren Diener sein!"
Aus einer Handschriftlichen Chronik der freien evangelischen Gemeinde in Werkel (Aufzeichnungen Reinhold Dege sr. in Werkel (1919-1997):
„Als Nachfolger zog Familie Rink in die Wohnung von Schneiders [Frankfurterstrasse 5 in Werkel]“ ca. 1936. 1937 Verhaftung durch die Gestapo, Haft im Zuchthaus in Kassel - Wehlheiden. „Die Brüder haben ihn besucht und nach seiner Schuld gefragt. Vor Gott und den Brüdern hat er seine Unschuld bezeugt. Ein junger Mann, dem er einmal die Meinung gesagt, zurechtgewiesen habe, hatte ihn denunziert. Er war inzwischen höherer H.J. (Hitler-Jugend) Führer geworden und übte Rache.“
Am 9. oder 10.11.1937 erfolgte die Verhaftung in Werkel, Untersuchungshaft in Kassel vom 10.-26.11.1937, anschliessend Entlassung wegen Haftunfähigkeit und Ansteckungsgefahr (Tuberkulose). Die Haftzeit in Kassel soll er im Gefängnis Wehlheiden verbracht haben. Er ist in der Häftlingskartei nicht vermerkt, daher ist anzunehmen, dass er im Gefängnisteil der Gestapo inhaftiert war.
Nach der Haftentlassung nimmt er seine Arbeit in Werkel nicht mehr auf, die Familie zieht nach Odenhausen zu den Eltern auf die Mühle. Ernst Waldemar kommt in die Lungenklinik Waldhof (Elgershausen), gemäss Aufnahmebüchern ist seine Ankunft im Sanatorium Waldhof Elgershausen am 29.12.1937, die Abreise am 25.04.1938, er war also insgesamt 117 Tage zur Kur. Schon früher wurden bei ihm ein Hoden und eine Niere, die von der Tuberkulose befallen waren entfernt. Ernst Waldemar war also bereits bei seiner Verhaftung ein totgeweihter Mann.
Die Vorwürfe die Ernst Waldemar von Staatsanwalt Drach in Trier auf Grund der Anzeige das NSDAP Ortsgruppenleiters von Börfink und dessen Voruntersuchungen (!) und der Aussage des Propagandaleiters in Börfink gemacht werden sind massiv und zeigen mit welcher Unnachsichtigkeit auch kleine Regimkritiker zu rechnen hatten. Aus den zusammengefassten erhaltenen Protokollen der Zeugen (Kinder und Jugendliche aus Börfink und Umgebung) kann entnommen werden wie stark Druck auf die jungen Mämmer ausgeübt wurde um an belastende Aussagen zu kommen.
Am 8.3.1939 stirb er in Odenhausen an den Folgen der Lungentuberkulose, die inzwischen die Nieren befallen hat und wird am 10. März 1939 in Odenhausen begraben.
Anmerkungen:
*Von 1925 an bis 1929 (auf Wunsch der Mutter?) Ausbildung zum Prediger auf St. Chrischona. Studierte zum Teil gleichzeitig mit Hermann Gysel (dem Bruder von Hanna) auf St. Chrischona und lernte durch Hermann sein zukünftige Frau kennen.
**War in der Zeit der Heirat und anschliessend als Prediger in Trier tätig. Die Stelle war schlecht bezahlt, das junge Paar hatte kaum zu essen und lebte in einer Wohnung voller Wanzen. Waldemar versuchte Insektizid durch einen mit Atemluft betriebenen Zerstäuber zu sprühen, dabei dürfte er einiges an Gift abbekommen haben. Ob dieses Gift den Verlauf einer Tuberkuloseerkrankung beeinflusst hat, ist unklar wird aber von Freunden und Verwandten oft bekräftigt.
1935 weilte er zur Kur in der Schweiz in einem Appenzellischen Kurhaus, seine Frau lebt in dieser Zeit beim Vater in Reinach. Daher kommt Samuel auch in Menzikon zur Welt.
Externe Links:
Einen kleinen Vorgeschmack zur Person des Staatsanwaltes Leonard Drach gibt es hier
Und ein Spiegelartikel von 1965 hier
Bilder von Hanna und Ernst Waldemar Rinck (-Gysel)
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Bilder von Waldemar in loser Reihenfolge. |
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Abschluss Photo der Ausbildung in St. Chrischona 1929 | |
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Nebst dem Studium war auf Chrischona auch ganz profane Arbeit verlangt, damit wurde ein Teil | |
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Das Bild von Hanna stammt aus ihrem Pass |
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Geheiratet haben Hanna und Waldemar in der Kapelle Reinach (Aargau-Schweiz) in einer Doppelhochzeit | |
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Hanna und Waldemar mit Samuel im Juli 1935 in Menziken | |
Hanna mit Elisabeth und Samuel in Odenhausen | |
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Hanna mit Marianne, Elisabeth und Samuel auf dem Balkon der | |
Oben: Waldemars Jzgendgruppe (wohl in der Trierer Gegend) Rechts: Eine Postkarte aus Werkel (Ende 30er Jahre) | ![]() |
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![]() | Bilder aus dem Lungensanatorium Waldhof in Elgershausen (1938) Ein letzter Kuraufenthalt in der Klinik Waldhof Elgershausen. (Wer die weiteren Personen auf diesen Bildern sind lässt sich leider nicht feststellen.) |
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![]() | Ernst Waldemar stirbt im März 1939 in Odenhausen an |
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Hanna und Waldemar mit Samuel 










