200 Jahre „Gehanns-Haus“
Das Wohnhaus auf dem Anwesen Wommelshäuser Str. 28 in Bad Endbach-Wommelshausen besteht am 06. Mai 2006 200 Jahre
Persönlicher "Artikel" zum 200 Geburtstag seines Elternhauses, verfasst von Horst W. Müller
„…ist aufgeschlagen worden den 6. Mai 1806“, steht auf dem Rähmbalken - zwischen Erdgeschoss und Obergeschoss - meines Elternhauses. Der vordere Teil der Inschrift, die leider nicht überliefert ist, ging beim Austausch der linken morschen Balkenhälfte durch meinen Großvater verloren. Dort standen vermutlich, wie damals allgemein üblich, der Name des Bauherrn, seiner Frau und der des Zimmermeisters.
Meine Ur-Ur-Ur-Großmutter Anna Müller geb. Lotz war die Bauherrin dieses Hauses. Ihr Mann, mein Ur-Ur-Ur-Großvater Johann Georg Müller, war knapp 30jährig, bereits am 26. Dezember 1805 verstorben. Im April und Mai 1806 hatten Truppenteile der Armee Napoleons in Wommelshausen Quartier bezogen. In unserer Familie wurde von Generation zu Generation stets weitergegeben, dass Soldaten der französischen Armee den Zimmerleuten und der Witwe beim Aufschlagen des Hauses geholfen hätten. Ob es Franzosen waren oder Soldaten aus den damals von Frankreich okkupierten linksrheinischen deutschen Gebieten (z.B. die Pfalz) bzw. aus anderen deutschen Kleinstaaten, die zum Waffendienst in der Armee des Franzosenkaisers gezwungen wurden, ist nicht bekannt.
Das Baugrundstück, 11m breit und im Mittel ca. 26 m lang (heute 366m2 groß), war vermutlich ein ehemaliger Acker am nordöstlichen Rand der Altsiedlung (Unterdorf). Aus der Grundstücksform lässt sich das ableiten. Das Grundstück könnte zur Mitgift meiner Ur-Ur-Ur-Großmutter Anna Lotz gehört haben, die höchstwahrscheinlich aus „Menn“ stammte. Aus welcher Familie (Hausname) in Wommelshausen mein Ur-Ur-Ur-Großvater hervorging, habe ich noch nicht herausgefunden.
Der Familienname Müller, früher auch Meller oder Möller geschrieben, je nach Sprachgefühl des Schreibers, ist über 365 Jahre lang ununterbrochen in Wommelshausen nachweisbar. In einem Schadensregister aus dem 30jährigen Krieg, das der Gladenbacher Amtmann Daniel Ludwig Lynker 1640 aufstellte, nennen Adam Möller einen Schaden von 10 Reichstalern und Conrad Möller einen von 7 Talern, den ihnen schwedische und kaiserliche Truppen 1639 zugefügt hatten.
Der Hausname „Gehanns“ leitet sich ab vom Vornamen meines Ur-Ur-Ur-Großvaters „Johann“, dem eigentlichen Bauherren, der leider den Bau seines Hauses nicht mehr erleben durfte. Johann wurde im Dialekt „Gehann“ genannt. Den Hausnamen „Gehanns“ gibt es daher auch in vielen Nachbarorten.
Hausform
Der Wohnteil meines Elternhauses ist ein typisches Hinterländer Fachwerkhaus, ein sogenanntes „2-Zonen-Haus“. Das Fachwerk besteht aus Eichenholz und ist im hessisch-fränkischen Stil, in der sogenannten „Rähmbauweise“, erbaut. Als Baumaterialien wurden nur Eichenholz und Lehm verwendet, nach heutigem Verständnis ein „vollbiologisches“, gesundes Haus. Stall und Scheune waren, da das Grundstück keine andere Bauweise zuließ, in der Längsachse direkt an den „2-Zonen Wohnteil“ angehängt. Solche Gebäudekombinationen waren im Hinterland und im Osten der ehemaligen Grafschaft Nassau (Dillkreis) und im Vogelsberg weit verbreitet. Sie werden als „Einhaus“ bezeichnet, im Gegensatz zu den Winkelhöfen und 3- bzw. 4-Seitenhöfen der größeren bäuerlichen Anwesen. Diese Grundkonstruktion ist auch heute noch bei meinem Elternhaus vorhanden. Unser Haus mit dem Stall und der Scheune stellt daher in seiner ursprünglichen Ausführung ein typisches Anwesen eines „Kleinlandwirtes“ dar, wie sie vielfach auf schmalen Baugrundstücken von Anfang bis Ende des 19. Jahrhunderts errichtet wurden. 
Dieser Haustyp entstand, als Leibeigenschaft, Zehnten und Fronden wegfielen („Bauernbefreiung“). Damals entwickelte sich in unserem Raum eine neue landwirtschaftliche Betriebsform, die „Nebenerwerb-Landwirtschaft“, von den größeren Bauern auch abschätzig „Kuhbauern“ genannt. Für Betriebe unter 5 ha Land hatte sich in unserer Gegend die Erbsitte der „Realteilung durchgesetzt, d.h. alle Grundstücke wurden unter allen Kindern aufgeteilt. Wegen der dann oft zu geringen landwirtschaftlichen Nutzflächen mussten die Betriebsinhaber noch zusätzlich einen Beruf ausüben, damit sie ihre Familie ernähren konnten. Trotzdem wuchsen gerade in dieser Zeit die Dörfer. Neue Anwesen entstanden um die alten Ortskerne herum. Dadurch ergab sich eine erhöhte Nachfrage nach einfachen und relativ preiswerten Häusern mit Stallungen. Für die neue Betriebsform der kleinbäuerlichen Anwesen (Kuhbauern) war der neue, nach dem Baukastensystem aufgebaute Haustyp (Mehr-Zonen-Haus), besonders geeignet. Er entwickelte sich zum Standardtyp für die Anwesen der „Kuhbauern“ in unserer Gegend. Streng gesehen kann man ihn auch als Vorläufer der Fertighäuser ansehen. Durch Anhängen von weiteren, gleichartigen Modulen an den Wohnteil konnte dieser Haustyp zu 3- und 4-Zonen-Wohnhäusern, je nach Wohlstand, Bedarf oder sozialer Stellung der Bauherren erweitert werden. Die Grundmaße der Module waren nahezu alle gleich. Dieser Haustyp wurde auch als allein stehendes Wohnhaus errichtet, Stall und Scheune standen dann getrennt, oft im rechten Winkel dazu.
Umbauten
Den ursprünglichen Stall in Fachwerkbauweise haben mein Urgroßvater und mein Großvater abgetragen und in Massivbauweise erneuert. Der darüber stehende Teil der Fachwerkscheune in blieb bestehen. Der neue Stall hatte Stellplätze für 4 Kühe. Die 10 bis 12 Schafe kamen im Winter in der Tenne unter. Vom „Ern“, dem Hausflur, ging man ehemals, rechts vor der Wand zur Küche, direkt in den Kuhstall. Auch ein neues Plumpsklo wurde in den Stall integriert und eine neue Jauchegrube angelegt. Das alte Plumpsklo und der Schweinestall befanden sich zuvor in dem alten kleinen Nebenbau, der rechtwinklig zum Wohnhaus stand, wie heute. Mein Vater erneuerte 1930 an diesem Nebenbau alle Mauern im Erdgeschoss und die Decke, baute eine Waschküche ein und erneuerte den Schweinestall und legte eine zusätzlicher Jauchegrube an. Im Obergeschoss waren, wie auch später, die Holzremise (d’s „Holzbiehche“) und der Hühnerstall untergebracht.
Im Jahre 1928 kaufte mein Vater von der Gemeinde 66 m2 Gelände, und zwar die Dreieckspitze im Garten am Treppchen und das Geländestück vor der Scheune bis zur Ortsstraße. Danach verlängerte er die Gartenmauer und Zaun bis dorthin. Meine Eltern ließen 1937 den älteren Teil der Scheune, der nach dem ersten Umbau stehen geblieben war, abbrechen und durch einen Neubau ersetzen. Im Zuge dieser Bauarbeiten wurde auch die Stallwand im Bereich der Küche verschoben, ein Kuhstellplatz weggenommen und die Küche um diese Fläche vergrößert. Das Geld für den Umbau hatte meine Mutter zum überwiegenden Teil vor ihrer Ehe aus ihren Arbeitseinkünften zusammengespart. Damit man künftig bequemer in die Scheune fahren konnte, verlegte man beim Neubau die Zufahrt zur Tenne von der Längsseite hin auf die Stirnseite zur Ortsstraße hin. Nach Aufgabe der Landwirtschaft 1961 hat mein Bruder Kurt, Stall und Scheune zu Wohnzwecken und Garage umgebaut. Bereits vor seiner Hochzeit hatte er über dem Stall ein zweites Schlafzimmer eingerichtet.
Die nicht eingezäunte freie Hoffläche vor der heutigen Garagenzufahrt (Scheunenzufahrt) heißt im Dorf „Gehanns Steck“. Das war und ist ein beliebter Treffpunkt im Dorf, weil er zentral an der Grenze Unterdorf/Oberdorf und an der Hauptstrasse liegt. Von da aus überblickt man den gesamten Dorfplatz und einen Teil des Unterdorfes. Die „Ebersbergstrasse“ („d’s Trusch“) mündet direkt auf den Platz. Auch das einen Geländeabsatz überwindende „Treppchen“, früher die Fortsetzung der Ebersbergstrasse, heute der kürzeste Weg vom Unter- ins Oberdorf, endet hier. Mitten im „Treppchenweg“, direkt am Ende unseres Zaunes, stand einst auch die am 01.04.1894 von Lehrer Baum zum 80. Geburtstag von Reichskanzler Bismarck gepflanzte Gedächtnislinde, die „Bismarck-Linde“.

Anwesen„Gehanns“:
Aufnahme ca. 1922/23, v.r.n.l. mein Großvater Adam Müller IX. *1856, meine Großtante Anna Margaretha Müller, geb Müller *1872 und meine Cousine Emma Koch *1904,

„Gehanns“ Haus; Aufnahme Sommer 1953
Dorfentwicklung
Das alte Dorf, das „Onnerdärf“ (Unterdorf), wurde bis etwa 1780 - 1800 nach Norden von einer Linie begrenzt, die der heutigen „Gartenstraße“ („Koihreeh“) bis zur ehemaligen Bankfiliale auf „Schreiners Hof“ folgte. Das Dorf hat sich erst nach diesem Zeitpunkt über diese Linie hinaus nach Norden durch Neubauten auf ehemaliges Ackergelände ausgedehnt. Dafür nahm man Gelände in Anspruch, das ackerbaulich nicht sonderlich ertragreich war, wie z.B. das „Trusch“.
Wommelshausen, Aufnahme vor 1910, der helle Pfeil zeigt auf "Gehanns" Haus
Die Gemeinde Wommelshausen hatte am 10. Februar 1780 den Zehnten aufgekauft, so dass von da an alle Äcker zehntfrei waren und die Bauern freier über ihr Land verfügen konnten. Dadurch konnte sich das Dorf durch Neubauten erweitern. Die Inhaber des Land-Zehnten mussten danach nicht mehr, wie zuvor, um Zustimmung gebeten werden. 1813 hob das Großherzogtum Hessen die Leibeigenschaft auf. Auch die Fronden, Grundzinsen und weitere Lasten, die bis dahin den Bauern aufgebürdet waren, wurden nach und nach aufgehoben. Manche Familien hatten an deren Ablösung noch Generationen lang zu zahlen. Diese Befreiung wirkte sich jedoch insgesamt positiv auf die weitere Entwicklung unseres Dorfes aus. Während der anschließenden Periode, etwa ab 1800 bis 1914 wurde das Dorf um das „Owerdärf“ (Oberdorf) erweitert, insbesondere auf dem „Trusch“ und den angrenzenden Bereichen. Unser Haus war eines der ersten im Zuge der Dorferweiterung nach Norden. Hier entstanden überwiegend Anwesen der Nebenerwerbslandwirte, der Kuhbauern. Noch bis vor etwa 40/50 Jahren sprachen daher manche Einwohner im Unterdorf abschätzig auch von den „geringen Leuten“ m Oberdorf.
Mit „Trusch“, anderenorts auch „Driesch“ genannt, wurde früher in unserer Gegend mageres Land bezeichnet, das meist am Hang lag und nur für kurze Zeit ackerbaulich genutzt wurde. 15 bis 25 Jahre lang diente es als Schafweide, dann wurde es umgebrochen, der Rasen von Erde befreit, ausgeschüttelt und vor Ort verbrannt, dann Roggen eingesät, im 2. Jahr Hafer und im 3. Jahr mit Heidekorn bepflanzt bis schließlich im 4. Jahr dort Kartoffeln angebaut wurden. Danach nutzte man das „Trusch“ wieder 15 bis 25 Jahre als Schafweide.
Lebensverhältnisse 1800 bis 1900
Allgemeine Verhältnisse
Aus alten Berichten erfährt man, dass die Bewohner unserer Region zu Beginn des 19. Jh. (um 1800) ein ärmliches Leben führten. Hinzu kam, dass die Bevölkerung ab 1796 infolge der französischen Kriege immer wieder unter Truppendurchmärschen und Einquartierungen zu leiden hatte. Die Soldaten mussten von der Bevölkerung versorgt werden, ebenso ihre Pferde. Dazu kamen Fouragelieferungen bis nach Gießen und Wetzlar, sowie vereinzelt Plünderungen. Verglichen mit heute lebten die Menschen mehr als sehr, sehr bescheiden. An Kleidung besaß man nur das Notwendigste. Es gab nur wenige Möbel und einfache Hausgeräte. Das Brot war oft von mittelmäßiger Qualität und Fleisch eine Seltenheit auf dem Speiseplan. Nach den Not- und Hungerjahren 1770 und 1772 hatte sich im Hinterland auch der Kartoffelanbau durchgesetzt. Von da an fehlte die Kartoffel auf keinem Tisch. Kartoffeln und Sauerkraut oder entrahmte Milch mit gesottenen Kartoffeln bildeten oftmals die Hauptmahlzeit. Außerdem ergänzten Erbsen, Linsen, Bohnen, Kohl, Kohlraben, Rettich, Möhren und Gurken den Speiseplan. An Getreide baute man an: Hafer, Korn, Gerste und Weizen. Aus Hafer wurde „Howwerbrai“ (Haferbrei) zubereitet, den man morgens und oft auch abends aß, ferner stellte man daraus Waffeln und Pfannkuchen her. Der Pfannkuchen (Ofenplatz) wurde aus Kartoffeln und Hafermehl auf einer heißen Platte gebacken, die vorher mit einer Speckschwarte oder mit Leinöl bestrichen worden war. „Krobbekuche“, Topfkuchen aus Hafermehl und Kartoffeln buk man zusammen mit dem Brot. Weck mit Milch galt schon als etwas Besonderes und wurden nur bei besonderen Anlässen gereicht. Kaffee stellte man her aus gerösteten und zerstoßenen Möhren, Runkeln, Zichorien oder Gerste. Butterkuchen gar, kannten die meisten nur vom Hörensagen. Es wurde aber viel Branntwein getrunken.
Der vielgegessene Haferbrei wurde nach einem alten Rezept aus dieser Zeit wie folgt zubereitet:
“Nimm Haferkerne und wasche sie und lese sie aus und lasse sie in Wasser aufwallen und tu sie in eine süße Kuhmilch und lasse sie darin kochen, aber nicht verkochen. Nimm zwölf Eidotter für ein Essen. Schlage sie gut. Nimm ein wenig Weizenmehl, das du, wenn du den Brei anrichtest, hineinstreust. Lasse ihn nicht mehr kochen.“
Die Kleidungsstücke der Frauentracht und die „gute“ Kleidung der Männer mussten meist ein Leben lang halten. Man stellte sie zum überwiegenden Teil selbst her, wie auch die dafür notwendigen Stoffe, insbesondere die Leinwand für die Alltagskleidung der Männer und die Aussteuer der Mädchen. Die Männer trugen meistens eine leinenen Kittel, blau oder weiß, ein wollenes oder gestricktes Camisohl, Zipfelmütze oder ein „Mees’che“ (runde Fell- oder Stoffmütze) als Kopfbedeckung, leinene Hosen, wollene Strümpfe, stark benagelte Schuhe und sonntags, anstatt des Kittels einen dunkelblauen Tuchrock. Frauen und Mädchen trugen die dunkle „Dellmutsche-Tracht“ des „Obergerichtes“ mit ihren verschiedenen Farbabstufungen beim Zubehör (Applikationen). Für neue Kleidung (z.B. Hochzeitskleidung) bestellte man sich auch schon mal, falls man es sich leisten konnte, in den Wintermonaten eine Trachtenschneiderin oder einen Schneider, der dann im Haus arbeitete.
Der Ertrag der Landwirtschaft lag im kargen Hinterland etwa um die Hälfte niedriger als z. B. der in der Wetterau. Nur bei guter Ernte konnte eine Familie ihren Jahresbedarf an Lebensmitteln decken. Zusätzliche Erwerbsquellen waren zwingend erforderlich. Nur die „Goilsbauern“ (Pferdebauern) und ihre Familien konnten alleine von der Landwirtschaft leben. Neben der Landwirtschaft übten daher viele Familienoberhäupter noch einen zusätzlichen Beruf aus z.B. Händler, Schäfer, Schuster Schneider, Schmied, Schreiner, Wagner, Maurer oder Zimmermann. In den Sommermonaten mussten die Kinder in den Wäldern Beerenfrüchte wie Himbeeren, Brombeeren und Heidelbeeren sammeln, um sie in den Städten zu verkaufen. Die Töchter und Söhne der der Kleinlandwirte verdingten sich als Mägde und Knechte bei größeren Bauern bzw. gingen als Erntehelferinnen und Schnitter selbst weit außerhalb zu Bauern „in Stellung“, vereinzelt ins Marburger Land, vorwiegend jedoch in Gegenden, die wie das Hinterland, zu Hessen-Darmstadt gehörten. Das war bevorzugt die Gegend um Gießen, die nördliche Wetterau und noch weiter südlicher gelegene Gegenden bis nach Frankfurt und darüber hinaus ins „Dreieich“ bei Darmstadt. Ab November gingen viele Männer in die gleichen Landschaftsräume „ins Dreschen“, auch die Söhne von größeren Bauern. Nach 3 bis 4 Monaten kamen sie erst zurück.
Als eine Verordnung vom 11.10.1803 die Freizügigkeit innerhalb des hessischen Landes und in Westfalen brachte, versuchten auch viele Einwohner unseres Dorfes dort ihr Glück als Saisonarbeiter, wie auch andere aus dem übrigen Hinterland. Aus dieser Wanderbewegung nach Westfalen entwickelte sich, insbesondere nach 1871, die Tradition der Hinterländer Maurer ins „Westfälische“ (Siegerland und Ruhrgebiet) zu gehen, um dort ihr Geld zu verdienen.
Mein Ur-Urgroßvater und Urgroßvater waren Ackermänner und Strumpfhändler
Der geringe landwirtschaftliche Ertrag auf den zudem noch kleinen Betriebsflächen der „Kuhbauern“ zwang auch meine Vorfahren zum Nebenerwerb. Daher haben sich auch mein Ur-Urgroßvater und mein Urgroßvater als Strumpfhändler ein Zubrot verdient, wie mein Vater berichtet. Im Spätherbst sind sie mit anderen aus unseren Nachbardörfern (z.B. aus Bottenhorn, Dernbach, Schlierbach, Hartenrod und Günterod) mit ihrer Ware (Strümpfe und Strickjacken) über die Wetterau bis nach Worms, Speyer und sogar bis Heidelberg gegangen und haben dort ihre Kundschaft beliefert. Dort beschickten sie auch größere Wollmärkte. Durch mehrmaliges Hin- und Herwandern im Spätjahr legten die Strumpfhändler unterwegs Depots mit Waren bei befreundeten Familien an. Dadurch konnten sie ihre Kundschaft vor Ort besser und schneller bedienen. Falls möglich, kehrten sie vor Weihnachten zurück, gingen dann mit zusätzlicher Ware wieder fort und kamen erst im Februar/März, kurz vor der Frühjahrsbestellung ihrer Felder wieder nach Hause. In Wommelshausen und in den umliegenden Dörfern hatte das Stricken eine lange Tradition. Grundlage war die Schafzucht mit ihren großen Schafherden in Wommelshausen und Umgebung. So Jahre zählte man z.B. 1859 in Wommelshausen noch über 400 Schafe. Jeder im alten „Obergericht“ (deckungsgleich mit der heutigen Gemeinde Bad Endbach) strickte, wie man aus alten Berichten erfährt, egal ob Mann, Frau oder Kinder.
Broterwerb Ende 19. Anfang 20.Jhd. ; Pendler und Dienstpersonal
Als mit dem Stricken gegen Ende des 19. Jahrhunderts nicht mehr viel zu verdienen war, gingen immer mehr Bewohner als Dienstpersonal oder Bauhandwerker in die Fremde. Die aufstrebende Eisenindustrie und der Bergbau an Sieg und Ruhr hatten einen großen Bedarf an Arbeitskräften. Besonders gefragt waren Maurer und so entwickelte sich in unserer Gegend eine Tradition zu diesem Handwerk. Ein Maurer galt damals als freier und weltoffener Mann, da er in die „Welt“ hinausging, viel Neues erlebte, Kontakt zu fremden Menschen hatte und perfekt hochdeutsch reden konnte. Es war daher auch ein gewisser Berufsstolz bei den Maurern vorhanden. Als Maurer hätte man keinesfalls mit einem „Heddebutz“ (Hüttenarbeiter) getauscht, der doch Sommer und Winter in verschmutzten, dunklen Hallen arbeiten musste. Als Saisonarbeiter war ein Maurer meist von Sonntagabend bis Samstagmittag unterwegs, manchmal kam er nur alle 3 bis 4 Wochen nach Hause. Während der Erntezeit nahm man unbezahlten Urlaub. So fehlten die meisten Ehemänner und Söhne der Kleinbauernbetriebe wochentags bei der Feldarbeit. Falls ihnen nicht Großeltern zur Seite standen mussten die Frauen neben der Haus- auch die gesamte schwere Feldarbeit alleine erledigen. Dafür gebührt ihnen noch heute allergrößter Respekt.
Bei dem damaligen Kinderreichtum, oft 5 bis 10 Kinder pro Familie, und der geringen Verdienstmöglichkeit in der Umgebung war jede Familie froh, wenn sie einen Esser weniger am Tisch hatte. Nur wenigen Haushalten war es vergönnt ausschließlich von der eigenen Landwirtschaft zu leben. Mit 14 Jahren, gleich nach der Konfirmation, wurden die meisten Jungen mit zu den auswärts arbeitenden Maurerkolonnen genommen, die sich oft als Sippen- oder Dorfverband geschlossen bei einer Firma verdingten (z.B. Fa. Beimborn in Oberscheld). So waren Wommelshäuser Maurerkolonnen u.a. beim Bau der Staumauern für die Listertalsperre (1907-1912) und die Edertalsperre (1906-1914) beteiligt. Vor dem Bau der Bahnstrecke Niederwalgern Herborn (1898-1902) waren die nächsten Bahnhöfe Dillenburg, Frohnhausen und Marburg. Auch mein Großvater Adam, mein Großonkel Ludwig, mein Onkel Jakob, mein Onkel Ludwig und mein Vater haben als Maurer im Siegerland und im Ruhrgebiet ihr Geld verdient. Dazu folgende Anekdote:
Wenn nach der Winterpause die Bausaison wieder begann, packten die Maurer aus dem Hinterland ihr Handwerkszeug (Kelle, Fugeisen, Reibbrett, Hammer, Fäustel, Lot, Winkel, Schnur und Wasserwaage) zusammen mit einem Laib Brot, Butter, Speck und Wurst in einen langen stabilen Leinesack. Den banden sie, wie üblich, mit einem Riemen zu einer länglichen Traglast zusammen, um dann mit der Bahn zu ihren Arbeitstellen zu fahren. Über die Bahnlinien Niederwalgern-Herborn und Wallau-Dillenburg kamen sie dann im ehemals nassauischen Bahnhof Dillenburg an, wo sie in die Züge nach Siegen oder ins Ruhrgebiet umstiegen. Damals hatten die Züge 4 Wagenklassen, und zwar: 1, 2, 3 und 4. Die 4. Klasse hing hinten am Zug, hatte nur einfache Holzbänke und war speziell ausgewiesen für Reisende mit Traglasten. Als wieder einmal im Vorfrühling, früh morgens, die Maurer aus dem angrenzenden hessischen Hinterland auf dem Bahnsteig in Dillenburger in den Zug Richtung Siegen/Ruhrgebiet einsteigen wollten, soll der Zugführer wie immer gerufen haben: „Herrschaften! - Bitte einsteigen!“ und dann extra laut und mit Nachdruck: „Die Hesse’, mit ihre lange’ Säck’, ganz hinte’ ei’steigen!“
Den Mädchen erging es nicht viel besser. Sie mussten sich ebenfalls gleich nach der Konfirmation als Magd bei einem Bauern oder als Hausmädchen in der Stadt verdingen. Ältere Geschwister und Verwandte traten dabei als Vermittler auf. Um Zustimmung wurde nicht gefragt, das regelten die Eltern alleine. Traditionsgemäß gingen viele als Mägde in die Wetterau oder später zu Bauern in die evangelischen Dörfer des Kreises Marburg. Eine bei Wommelshäuser Mädchen beliebte Arbeitsstelle waren das Hofgut des ehemaligen Klosters „Altenberg“ bei Wetzlar" und das Hofgut „Friedelhausen“ an der Lahn. Andere nahmen Stellungen an als Dienstmädchen in Haushalten in Gießen, Dillenburg, Frankfurt und Wiesbaden bzw. im Siegerland und später auch im Ruhrgebiet. Über das, was manche Mädchen bei ihren Brotherren erleben oder erdulden mussten, wird bis heute noch schamhaft geschwiegen.
Was mein Vater noch von meinen Urgroßvater wusste
Über meine Gehanns-Urgroßeltern hat mir mein Vater einiges berichtet, das ihm wiederum sein Vater erzählt hatte. Ur-Großvater „Gehann“ kaufte von seinem Gewinn als Strumpfhändler Grundstücke und vergrößerte dadurch seinen Grundbesitz bis auf 4,65 ha. Dadurch konnte er sich neben 2 Kühen und mehreren Schafen auch zwei Ochsen (kastrierte Stiere) als Zugtiere halten. Dafür erneuerte er zusammen mit meinem Großvater den alten Stall. Am Wohnhaus hat er nichts verändert oder erneuert, das war nicht sein „Ding“. Die Hühner sollen im Haus herumgelaufen sein und nachts auf der Treppe zu den oberen Räumen geschlafen haben. In der Haustüre war unten ein Loch, durch das die Hühner und die Katze ein- und ausgingen. In der Küche stand links vom Eingang ein großer, offener, gemauerter Herd mit offenem Rauchabzug, der „Oas“. Hier hingen die Schinken und die Würste zum Räuchern. Auf dem Herd über dem offenen Feuer stand ein eisernes Dreibein, auf das zum Kochen die gusseisernen Töpfe und geschmiedeten Pfannen gestellt wurden. Es gab bei uns eine solche geschmiedete, große, gewölbte Pfanne mit langem Stiel, die heute noch vorhanden ist (mein Bruder bewahrt sie auf). Sie diente später beim Schlachten zum Auffangen des Blutes. Im Schlafzimmer waren unter den Betten große Schubladen angebracht, die man tagsüber unter die Betten schob. Abends wurden sie herausgezogen und dienten als Betten für die jüngeren Kinder. Im Wohnzimmer stand rechts hinten ein großes Himmelbett, in dem jeweils die Haus-Großeltern schliefen. Mein Großvater hat noch darin geschlafen.
Der Fußboden im Wohnzimmer in der Küche und im Flur war mit feinem hellem „Goßfeldener Sand“ bestreut, den Händler mit Pferdewagen von Zeit zu Zeit lieferten. Den Schmutz kehrte man zusammen mit dem Sand vor die Türe und streute dann neu ein.
Gang durch das Haus zur Zeit meines Großvaters und Ur-Großvaters
Versetzen wir uns zurück und gehen einmal in Gedanken durch unser altes strohgedecktes Haus und stellen uns vor, wie es dort noch vor ca. 120 Jahren aussah:
Der obere Flügel, der in halber Höhe geteilten schweren Eichenhaustür steht, in der warmen Jahreszeit offen, der untere Teil ist geschlossen. So bleiben die Kleinkinder im Haus und die Hühner draußen, außerdem sah man gleich wer kommt. Wir betreten den „Ern“, den Flur des Hauses. Gleich rechts befindet sich an der Wand eine große „Schüsselbank“. Im Anschluss daran ist die Tür zum Kuhstall und zur Scheune. Auf der „Schüsselbank“ steht und hängt das Küchen- und Essgeschirr, irdene mit Ornamenten bunt bemalte, Teller, Schüsseln und Krüge. Meist ist es das im „Marburger Land“ hergestellte Geschirr in der typischen braunen Grundfarbe. Auf einem Holzhocker stehen davor und daneben Eimer und Krüge mit Wasser aus Schöpfbrunnen (solche Brunnen hatten: „Kochs“, „owe Schenaiks“, „Bangerte“, „Hebbersch“, „Bärsch“ und andere im Unterdorf). Eine Wasserleitung gab es noch nicht. Wasserholen war eine wichtige Tätigkeit und gab Gelegenheit zum „Schwätzchen halten“.
Der Fußboden des „Ern“ und der Küche bestand aus flachen, hochkant in Lehm gestellten Steinen, gesteckt in Fischgrätenmuster. Geradeaus kam man durch eine Tür in die Küche. Hier wurden die Speisen auf offenem Feuer zubereitet und für gewöhnlich auch gegessen. Die Einrichtung war einfach: Auf der gemauerten offenen Feuerstelle, die unten einen Hohlraum für das Feuerholz hatte, stand auf drei Beinen im Feuer ein geschmiedeter Ring, auf den man Töpfe oder die lange Stielpfanne stellen konnte. Alternativ hängte man an eine in der „Oas“ befestigte, Kette einen gusseisernen oder geschmiedeten Topf, in dem auch Speisen zubereitet wurden. In der „Oas“, im Rauchfang, hingen die Würste, der Schinken und die Speckseiten von den Hausschlachtungen. Der vom kleinen Holzfeuer aufsteigende Rauch zog durch die „Räucherkammer, die „Oas“ und weiter durch den Schornstein ins Freie. Ein einfacher, roh gezimmerter Tisch mit Schublade für Holzlöffel und Messer, eine Bank und ein paar Stühle, mehr stand nicht in der Küche.
Vom „Ern“ aus geht man links über eine Stufe, die zugleich Podest ist für die Treppe (Kammertreppe) zu dem Obergeschoss, in die „geore Stobb“, das Wohnzimmer. Die Wände sind verputzt, mit Kalkfarbe gestrichen und mit einem andersfarbigen Rollmuster bis in halbe Höhe verziert. An der Decke sieht man die Deckenbalken, die vom großen „Duh-Balken“ getragen werden und der von Wand zu Wand reicht. Der Fußboden besteht aus Eichendielen, die mit hellem „Goßfeldener Sand“ bestreut sind. In der Mitte steht der große Familientisch mit Schubladen für das „bessere“ Essbesteck, drum herum eine Lehnbank und einige einfache Brettstühle. Auf einem Wandbord stehen die bunte „Mutscheschachtel“, die Bibel und ein Gebetbuch. Über dem Tisch hängt am „Lichtholz“ das „Sumetsfettlichtche“, ein mit Rüböl (Rapsöl) gefüllter Porzellan- oder Messingbehälter mit Docht, das bei Dunkelheit einen spärlichen Schein ins Zimmer wirft. Rechts in der hinteren Ecke ist das große Himmelbett aufgestellt, von einem bunt bedruckten Leinenvorhang umgeben, in dem die Großeltern schlafen. Rechts davor an der Wand, vor dem Schornstein steht ein gusseiserner Ofen, mit mehreren Etagen in denen man Speisen warm halten kann, im Sommer dient er auch als „Kühlschrank. Butter und andere Lebensmittel bleiben hierin an warmen Tagen länger frisch. Am Fenster steht der Lehnstuhl für den Großvater. Ferner befindet sich in der „Stobb“ noch der „Debbeloare“, links unter dem Fenster zum Hof. Das ist ein länglicher Kasten mit Deckel, darinnen stehen mehrere Steinguttöpfe mit gerinnender Milch, die später entrahmt zu Butter verarbeitet oder als „Dickmelch“ getrunken werden.
Über die „Kammertreppe“ gelangt man ins Obergeschoss. Links am Treppenaustritt liegt das „Kämmerche“, eine kleine Stube mit ehemals zwei Betten für die älteren Buben und über der Wohnstube befindet sich die „Kammer“, das Schlafzimmer mit dem Bett der Eltern und dem Kleiderschrank. Unter ihrem Bett steckt ein nahezu gleichgroßer Kasten mit Rollen, die „Bettloar“ (Bettlade), auch „Scherjebett“ (Schiebebett) genannt. Abends wird sie hervorgeholt und dient als Bett für die jüngeren Kinder, morgens schiebt man sie wieder unters Bett. Außerdem steht hier noch ein weiteres Bett für die ältern Mädchen. Auf dem Flur im Obergeschoss, dem „Gaan’g“, befindet sich auch die Truhe mit der Aussteuer der Töchter und ein großer Kleiderschrank.
Alle Betten haben einen Strohsack als Matratze, Zudecken sind mit Federn und Kopfkissen mit Haferspreu gefüllt. Der Kleine Säugling liegt in einer Wiege, die in Querrichtung geschaukelt werden kann. Tagsüber ist das meist die Aufgabe der Großmutter oder der im Haus verbliebenen Großtante.
Vor der Kammer geht rechts die verschalte, steile Treppe zur „Läb“ hoch. Hier oben auf der „Läb“ wird das Getreide gelagert und auch das Mehl. Der Müller holt hier im Abstand von 2 bis 3 Wochen einen Sack mit bereitgestelltem Roggen oder Weizen ab und liefert die entsprechende Menge Mehl, vermindert um den „Schwund“ und den Mahllohn. Außerdem lagert hier das Obst und auf Rosten das Dörrobst (Pflaumen, Äpfel), die Teekräuter und Nüsse und in Töpfen das „Hink“ (dinnes und dickes). Außerdem befindet sich in einem offenen Fach der Giebelwand der „Keeskärb“, bestehend aus mehreren übereinander angeordneten Brettchen. Nach innen und außen ist er mit Fliegendraht abgedichtet. Hier lagert der selbstgemachte Handkäse bis zur Reife. In der Giebelwand zur Scheune ist ganz oben das „Katzenloch“, der Durchgang für die Hauskatze „Miezche“, damit sie die Mäuse fangen kann, die von den Köstlichkeiten auf dem Speicher angezogen werden. Die Mäuse haben sich im Übrigen im Strohdach, in den Lehmdecken und -wänden des Hauses häuslich eingerichtet. Nachts kann man sie in ihren Gängen laufen und rascheln hören.
Im „Ern“, links vor der Küchentüre befindet sich unter der Kammertreppe der verschalte Abgang zum Keller. Wenige Stufen führen hinab in den knapp 1,60 m hohen Raum unter der „Stobb“. In dem fasst vollständig unter der Erde liegenden Keller lagern in Wandnischen in Steinguttöpfen das Schmalz, auf dem Boden in Holzzubern/Holzfässern Sauerkraut, sauere Bohnen und in Holzbütten das „Solwerfläsch“ (Pökelfleisch). Die Kartoffeln, das Hauptnahrungsmittel, liegt auf Rosten, damit sie nicht faulen, da der Boden nicht befestigt ist. In sandige Erde eingeschlagen lagert hier im Dunklen auch das Wintergemüse. Nach längeren Regenperioden kommt im Keller sogar eine kleine Quelle zum Vorschein. Das überschüssige Wasser wird durch ein „Ähduch“ im Kellerboden eingesammelt und unter der Kellerwand nach außen abgeleitet. So war das noch bis Mitte der 50er Jahre. Diese Feuchtigkeit im Keller war keinesfalls unerwünscht, im Gegenteil in dem feuchten, kühlen Klima blieben Kartoffeln und Wintergemüse und auch die Milch länger frisch.
Das Hausdach besteht, bis Ende des 19.Jh. aus Stroh, das grau geworden, wie ein alter zotteliger Pelz aussieht. Der Hof ist nur unmittelbar vor der Haustüre und vor den Eingängen zum Kuhstall und zur Scheune mit Lesesteinen grob gepflastert. Überall auf dem Hof sind Sandkuhlen, in denen sich Hühner bei trockenem Wetter suhlen. Bei Regen bilden sich dort große Pfützen aus denen dann anschließend Hühner und Hausschwalben trinken.
Sehr viel hatte sich bis in die 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts an unserem alten Wohnhaus nicht verändert. Ende des 19. Jh. war das Dach mit Schiefer eingedeckt worden und im Zuge des Stallneubaues hatte man die alte 2-flügelige, quergeteilte Haustüre gegen eine modernere, längsgeteilte ausgetauscht. 1937 wurde die alte Scheune abgebrochen und mit Tenne und Dickwurzkeller neu gebaut. Über dem Stall baute Kurt 1957 ein weiteres Schlafzimmer ein, 1961 wurden die alte Scheune und der Stall zu Wohnzwecken umgebaut.
„Gehanns Haus“ 200 Jahre im Familienbesitz
Die Besitzer des Anwesens bis heute waren bzw. sind:
1.
Anna Müller geb. Lotz, *05.08.1774, +31.08.1832, Tochter von Johann Jakob Lotz I. (aus „Menn“), *13.10.1752, +? und Anna Elisabetha Stoll, *22.12.1750, +?, Anna war die Witwe von Johann Georg Müller *09.01.1775, +26.12.1805, Sohn von Adam Müller III. *18.12.1745, +? und Elisabetha Rink, *16.01.1750, +?.01.1812
2.
Johann Jakob Müller I., Ackermann u. Strumpfhändler, *09.10.1797, +07.03.1864 und Margaretha Katharina Pfeiffer (aus „Bärsch“), *15.11.1798, +17.03.1872, (Vormund meines Ur-Urgroßvaters, der beim Tod seines Vaters 8 Jahre alt war, wurde sein Pate Johann Jakob Happel, Strumpfhändler aus Bottenhorn), Hausübernahme: Datum nicht genau bekannt, verm. 1823
3.
Johann Jakob Müller IV., Ackermann u. Strumpfhändler, *12.03.1824, +29.11.1896 und Anna Kraft (aus „Koindes“), *09.12.1832, +26.06.1899 , Hausübergabe am 24. 05. 1856
4.
Adam Müller IX., Maurer und Ackermann, *11.02.1856, +12.01.1927 und Katharina Rink (aus Bärsch-Schefersch, Hütte), *11.03.1855, +02.04.1910, Hausübergabe am 17.07.1890
5.
Karl Müller I., Maurer und Landwirt, *17.03.1896, +10.11.1977 und Luise Elisabetha Thomas (aus „Jules“ in Weidenhausen), *01.07.1902, +18.08.1961, Hausübergabe 12.04.1919.
6.
Kurt Georg Müller, Maurer, *20.08.1934 und Erna Pfeifer (aus „onne Hanikobches“), *27.03.1935, Hausübergabe am 25.11.1961
Mein Bruder Kurt hat das Fachwerk, sowohl das des alten Wohnhauses, als auch das der Scheune in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts vorbildlich renoviert. Bei den Streicharbeiten hat ihn meine Schwägerin Erna kräftig unterstützt. Er hat dabei eine gute und typische Farbkombination ausgewählt. Die Renovierung ist ihm so gut gelungen, dass das Anwesen als Foto unter dem Stichwort „Schmuckstück“ in das 1999 erschienenen Bürgerbuch „Bad Endbach mit seinen Ortsteilen; Leben, Land und Leute“ aufgenommen wurde.
So bleibt zu hoffen und zu wünschen, dass das Haus noch einige Jahrzehnte weiter bestehen möge. Dass es weitere 200 Jahre werden, dürfte eher unwahrscheinlich sein.





